Montag, 7. August 2006

19 und immer noch nicht klüger?

Plötzlich ist man 19 Jahre alt. Zwar passierte es nicht wirklich so plötzlich, wie ich das in dem Moment empfand, denn das 19. Lebensjahr hat man am 19. Geburtstag ja schon hinter sich. Aber dennoch stellte ich entzaubert fest: Plötzlich war ich 19 und fühlte mich alt.
„Oh Gott, ich werd nächstes Jahr 20!“ geht einem unwahrscheinlich leicht über die trocken gewordenen Lippen, die man eifrig mit Gin-Tonic befeuchtet. Man fragt sich, was man im 19. Lebensjahr eigentlich erlebt, geleistet, verursacht hat, und kommt zu keinem befriedigendem Ergebnis, das man mit braunem Tequila, Zimt und Orange runterschluckt. Auf deinem geistigen Zeugnis steht vermutlich rot und fett „ungenügend“ - unterpunktet hast du!
Wie gerne würde ich jetzt auf meinen verhassten Bio-Lehrer schimpfen, Verantwortung an meine motzenden Eltern abschieben oder wie eine Zwölfeinhalbjährige losheulen. Aber irgendwie schaue ich nur belämmert drein; benommen und nüchtern zugleich beschreibt meinen Zustand ganz gut, und ich erkenne: Ich hab doch was gelernt. Doch nicht ungenügend!
Dort, wo früher ein großer Batzen Naivität und jugendliche Gleichgültigkeit war, ist immerhin ein Fetzen Erwachsenheit und Erkenntnis eingekehrt. Manchmal gefällt es mir, dieses Gefühl mit einem „Eh schon egal“-Unterton ‚Resignation’ zu nennen. Aber meist dient das nur zur Untermalung der Dramatik des Augenblicks. Meinem Image als unverbesserlicher Pessimist muss ich ja irgendwann dann doch mal nachkommen! Man gönnt sich ja sonst nichts ...
Schließlich entscheidet man sich, nicht ins Nachtpalais zu gehen. Zu viele Kinder da. Dorffeste sind selbstverständlich aus demselben Grund auch gestern. Irgendwie tragisch könnte man das finden, aber tröstend ist bekannt, dass man wenigstens dahin wiederkehrt, wenn man über 40 ist. Sieht zumindest fast so aus.
„Dann machen wir halt nen Videoabend. Aber schon auf Englisch, ne?!“

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