Wenn man den Großteil seines Lebens im Kernhaus eines Apfels verbracht hat und dann plötzlich flatternd am Herbstbaum hängt, weiß man erst nicht recht, wie einem geschieht. Man schluckt. Es ist ungewohnt, frei schwebend zu sein und auch ein wenig beängstigend, keinen Boden unter den Füßen zu haben, so zirka 2 Meter und 34 Zentimeter. Hier und da beobachtet man andere dunkelbraune Kerne unter sich herumhüpfend, dann atmet man die um einen wehende, gewalttätige Luft aus Abgasen, Moet und blauem Dunst ein, streicht sich die wieder zurückschlagenden Haare aus dem Gesicht und grinst.
Dass man am nächsten Abend wieder ins wohlig nervige Kernhaus zurückmuss verdrängt man erfolgreich mit einem Schluck Baileys. Er schmeckt süß und klebrig und man kann sich so vollends auf den anheimelnden Alkoholbeigeschmack konzentrieren, dass einem fast warm ums Herz wird. Selbst wenn dieses mutmaßliche Einbildung ist, so fühlt es sich doch erstaunlich arglos an.
„Argumentativ nicht wertvoll“, stelle ich fest, stelle das Glas ab. Irgendwie wiegt es schwerer in meiner Hand, als so manch anderes Glas.
Ich singe „Foxtrott, Uniform, Charlie, Kilo“, weiter kann ich den Text nicht. Egal. Die Musik ist sowieso zu laut, um mein Gegröle durchzulassen; und wenn das nicht wäre, würde mich der kreischende Motor triumphierend übertönen. Noch immer schwinge ich am Ast.
Bitterkalt ist es, mein Hals tut weh, vom Rauchen und Rüberbrüllen. Aber mit etwas Tonikum wird das wieder vergehen, meine ich, hangle mich durchs Geäst. Doch schon falle ich ins Unsichere, suche Halt. Ich falle weiter bis ich in einem Apfel stecken bleibe.
Das „Willkommen Zuhause“-Schild am Stiel erscheint mir heuchlerisch und wirkungslos zur selben Zeit
Songs 05/26
vor 4 Tagen

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